Ist “Für-wahr-halten” Glauben?

Es gibt religiöse Menschen die meinen, dass ein “Für-wahr-halten” von theologischen Wahrheiten, Glaube sei. In vielen Kirchen wird deshalb das „Glaubensbekenntnis“ regelmäßig gesprochen. Aber, ist das „Glaubensbekenntnis“ nicht viel mehr als eine theologische Abgrenzung zu Andersgläubigen gedacht gewesen?

Wenn wir die „Glaubensartikel“ aufzählen und diese “für-wahr-halten”, tun wir nichts, was der Teufel nicht auch täte. Auch er hält für wahr, dass Gott die Welt schuf, dass Christus am Kreuz starb usw. Das “Für-wahr-halten” dieser Fakten, macht aus dem Teufel jedoch noch keinen Gläubigen.[1]

Wolfgang Beltracchi der Meisterfälscher

Dieser gefälschte Marcoussis wurde für 45 Millionen erworben

Wolfgang Beltracchi war Kunstfälscher. 25 Jahre lang malte er Bilder im Stil von modernen Künstlern und ließ sich von Kunsthistorikern Echtheitsbescheinigungen ausstellen. Sie hielten “für-wahr”, was eigentlich eine Fälschung war. Auktionshäuser in New York, Paris und London verkauften daraufhin seine Gemälde als Originale. Der heute 67-jährige Beltracchi verdiente Millionen. Im Jahr 2010 flog der Schwindel auf. Wolfgang Beltracchi und seine Ehefrau Helene wurden zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Heute leben sie in Montpellier und er verkauft seine eigenen Werke.[2]

Biblischer Glauben ist Vertrauen

„Glaube ist Vertrauen, nicht Wissenwollen“
Hermann Hesse

Es ist wie bei einer Fälschung. Selbst Experten können das Original von der Fälschung nicht unterscheiden, weil die Fälschung so perfekt ist. Es geht also vordergründig nicht um das „Kunstwerk“, sondern um den „Künstler“. Beide Werke sind identisch. Wenn es also alleine um das Gemälde ginge, könnte man auch mit der Meisterfälschung zufrieden sein? Sie zeigt genau das Gleiche.

So ist es auch im Glauben. Es geht gar nicht primär um das “Für-wahr-halten” des richtigen Glaubensbekenntnisses. Es geht um die Beziehung zu Gott, dem Schöpfer. Diese wird nicht dadurch hergestellt, dass wir das richtige „glauben“, sondern, dass wir Ihm, Gott, „vertrauen“.

Pistis

In der griechischen Sprache, der Sprache in der das Neue Testament großteils geschrieben wurde, wurde das Wort Pistis (πίστις) verwendet, was mit Treue, Vertrauen und Glauben übersetzt wird. Somit ist klar, dass Pistis mit einer vertrauensvollen Beziehung zu tun hat. Es geht nicht um die Übereinstimmung von theologischen Wahrheiten alleine. Es geht um einen vertrauensvollen Umgang mit Gott und mit Jesus Christus.

Vertrauen ist das Fundament einer jeden Ehebeziehung. Geht das Vertrauen zum Partner verloren, geht unweigerlich auch die Ehe in Brüche. Die „Glaubensbekenntnisse“ beider Partner mögen wohl nach der Hochzeit und nach der Scheidung dieselben bleiben. Die Beziehung jedoch ist gescheitert.

So kann es bei religiösen Menschen sein, dass sie das richtige glauben (ein “für-wahr-halten”- Glauben), aber keine persönliche Beziehung zu Gott haben.

“Für-wahr-halten” ohne Gottesbeziehung

Jesus berichtet uns von Menschen, die offensichtlich Gottes Werke taten, aber ohne Beziehung zu Jesus: „Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet!“

Diese Menschen werden nicht getadelt, weil sie was Falsches taten. Sie finden keinen Einlass ins Reich Gottes, weil Jesus sie nie gekannt hatten. Es waren Menschen, die das richtige Glaubensbekenntnis sprachen, das Richtige taten, sogar in der Autorität Gottes handelten aber in keiner vertrauensvollen Beziehung zu Jesus standen.

Ich lass mich nicht täuschen!

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben (gr. pisteuo – vertrauen, glauben, treu sein), nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Joh.3,16

Nicht das „Für-wahr-halten“ von theologischen Wahrheiten oder die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche, sondern das Vertrauen, den Glaube an Jesus Christus, gibt uns ewiges Leben. Christliche Traditionen, so richtig sie auch sein mögen, können uns täuschen und am richtigen Ziel vorbei führen.

SK


Gottes Segen

Gibt es einen Schöpfer Gott? Wenn ja, was würde das ändern?

[1] Thomas Gerlach, Evangelischer Glaube, ISBN 3-525-87189-9, S 13-14

[2] Zeit Campus, 8.März 2017

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(1) comment

Walter Aster Freitag 1. November 2019

Glaube ist Verantwortung. Glaube ist Zweifel. Glaube ist Anpassung. Glaube ist vorläufig.
Glaube ist unser Vertrauen in die Gemeinschaft.
Und der einzig mögliche Weg zur Gewissheit, führt einzig und alleine über den Weg des Irrtum. Eine Wahrheit die nur für sich selbst da ist gibt es nicht.

Alles andere ist Selbsttäuschung und es ist genau diese Selbsttäuschung die zwar immer nur das Gute will, aber dadurch stets das Böse schafft.
Es ist nicht so sehr der Materialismus, für den sich Menschen gegenseitig tot schlagen. Das kommt zwar auch vor, aber erstaunlich selten. Es sind unsere ganzen Selbstlügen, die wir ideelle Werte nennen und die wir ständig gegen alle Wirklichkeit verteidigen müssen. Es sind diese ideellen Werte, die sich in ihrem Eigenwert nur dadurch erhalten, dass wir ihnen einen Gegenwert gegenüberstellen und damit jeden guten Willen in einen bösen verwandeln, welchen wir als jenes Gefühl kennen, das wir Hass nennen.

Schön, Gut und Böse sind Kategorien unseres Empfindens und keine Eigenschaften der Welt.
Wenn wir das nicht langsam begreifen, dann nützt es auch nichts unsere Dummheit und Selbstgerechtigkeit als Jesus Christus zu benennen, den wir dann doch wiederr nur dafür brauchen, um all unsere Unchristlichkeiten zu rechtfertigen.

Liebe Grüße auch an alle Heiligen. (1.November 2019)

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