Die positive Kraft von Wertschätzung

Wir alle lechzen von der frühesten Jugend an, nach Wärme, Anerkennung und Wertschätzung. Angefangen von unseren Eltern, Freunden, Lehrern, bis hin zum Vorgesetzten, Kollegen und Mitgliedern der Gemeinde oder Kirche, die wir besuchen, ist unser Leben stark beeinflusst von dem Bedürfnis, nach positiver, wertschätzender Anerkennung.

Durch Anerkennung und Aufmunterung, kann man in einem Menschen die besten Kräfte mobilisieren. Charles M. Schwab

Eine wertlose Frau begegnet Jesus

Jesus war im Tempel von Jerusalem, um die Menschen zu lehren. Da kamen die Priester und Führer des Volkes und zerrten eine Frau herbei, die in flagranti in Ehebruch ertappt wurde. Sie hat nach den religiös-moralischen Gesetzen ihrer Zeit einen schweren Rechtsbruch begangen. Nach mosaischem Gesetz standen auf Ehebruch die Todesstrafe und die Steinigung.

Auf den Boden gekauert schrieb Jesus, fast unbeteiligt, etwas in den Sand.
„Würde Jesus das Gesetz des Moses billigen oder den Ehebruch?“
Die religiösen Eliten jener Zeit, wollten diesen „neuen Rabbi“ etwas auf den Zahn fühlen: Würde er sich auf die Seite des Rechts stellen oder auf die Seite der Sünderin? Der Ausweg aus dieser Falle, war für Jesus nicht einfach.
Nach einiger Zeit schaute er zu den Anklägern auf, und sagte den Schriftgelehrten: »Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“

Von seinen Worten getroffen, zogen sich ihre Ankläger alle zurück. Schließlich war Jesus mit der Frau allein. Sie stand immer noch an der gleichen Stelle. Er richtete sich wieder auf und fragte sie:
„Frau, wo sind sie hin? Hat keiner dich verurteilt?“
„Keiner, Herr“
, erwiderte sie.
Da sagte Jesus: „Ich verurteile dich auch nicht. Du kannst gehen. Sündige, aber nicht mehr!“ (Ev. Joh. 8,8-11)

Die positive, verändernde Kraft von Wertschätzung

Jesus gibt uns mit dieser Begebenheit nicht nur ein Vorbild, wie wir mit Menschen umgehen sollen, die in Sünde gefallen sind, sondern wie die positive Kraft von Wertschätzung, Menschen verändern kann, ohne dass man sie dazu zwingt.

Ich besuchte in Meran die Volksschule, eine reine Bubenklasse. Die Klasse war äußerst frech, auffällig und rebellisch. Nachdem die zweite Lehrerin aus Verzweiflung, bereits am Anfang des zweiten Schuljahres, die Klasse verlassen hatte, kam eine junge, attraktive, liebevolle Lehrerin zu uns. Wir waren auf der Stelle, unisono, in sie verknallt. Im Handumdrehen unterrichtete sie, zum Erstaunen vieler, eine ruhige, aufmerksame Klasse von verliebten Achtjährigen. Was hatte uns verändert? Ihre positive, wertschätzende Art, wie sie mit uns umgegangen ist.

Wir lesen in der Geschichte der Ehebrecherin nichts von einer Moralpredigt Jesu. Sein Verhalten veränderte die Frau jedoch völlig. Er gab dieser „wertlosen“ Ehebrecherin, die eben noch auf ihr unvermeidliches Todesurteil wartete, einen Wert zurück. Er erachtete sie wertvoll und sie transformierte innerhalb Sekunden zu einer anderen Person.

Wertschätzung erhalten schlägt sich in die Begeisterung und der Motivation nieder. Geben und Nehmen ist in allen menschlichen Lebensbereichen sehr wichtig. Unternehmen sollten daher nicht leichtsinnig das Potenzial ihrer Arbeitnehmer aufs Spiel setzen oder sie als selbstverständlich betrachten, denn gute und motivierte Mitarbeiter machen ein Unternehmen zu dem, was es ist. Dasselbe gilt für Familien, Vereine, Gemeinde ect. Nicht selten sprechen wir von der “Gute Seele des Hauses”. Damit meint man eine Person, deren Anwesenheit, anderen, Wohlbefinden vermittelt.

Wertschätzung bedeutet nicht alles gutzuheißen oder Sünde salonfähig zu machen. Jesus sagte ihr deshalb, sie solle nicht mehr sündigen. Wertschätzung bedeutet hingegen, eine andere Person zu akzeptieren, und zwar unabhängig von ihren Taten und Handlungen. Es kann sein, dass die Taten oder Worte einer Person, Einfluss auf die subjektive Sichtweise nehmen. Die Kunst liegt deshalb darin diese beiseitezulegen und dem Menschen mit Achtung und Wertschätzung zu begegnen. Und genau diese Haltung kann eine andere Person verändern.


Wertschätzung gehört zu den schönsten Formen von Anerkennung. Ernst Ferstl

Bewusst auf das Positive fokussiert sein

Nicht alles im Leben ist positiv. Wir erleben Krankheit, Zusammenbruch, Entfremdung, Feindschaft, Krieg, Mangel und vieles mehr. Dabei läuft man Gefahr, dass man negativ wird und nur noch auf das schaut, was schlecht läuft. Ich spreche nicht nur von anderen. Auch ich bin immer wieder gefährdet, in diese Falle zu tappen.

Versuche deine Gedanken und Aufmerksamkeit bewusst auf das Positive zu lenken!

Eine positive Lebenseinstellung erhöht die Chancen, vom Leben positiv überrascht zu werden. Ernst Ferstl

Nehmen wir uns die Zeit und überlegen: Was ist in meinem Leben positives passiert? Was funktioniert gut? Habe ich genug zum Leben, kann ich mir einen Urlaub leisten, habe ich Gesundheit, lebe ich in liebevollen Beziehungen mit Menschen. Die Liste kann sehr lange werden, wahrscheinlich länger als die Liste mit den negativen Dingen.

Wir sollen das Negative nicht gut reden. Wenn ich krank bin, dann soll ich nicht so tun als wäre ich gesund. Vielleicht brauche ich medizinische Hilfe. Trotzdem gibt es vieles, das sehr gut läuft; wahrscheinlich mehr als das was gerade schlecht läuft.

Hole dir aus der Betrachtung des Positiven, die Kraft, um das Negative zu überwinden!

Danke Gott für die guten Dinge im Leben, und du wirst Segen erfahren.

Wertschätzung in der Familie

Als Eltern wünschen wir, dass Kinder uns respektieren. Doch wie sieht es andersherum aus? Auch Kinder brauchen Wertschätzung und brauchen diese elterliche Haltung, um sich positiv entwickeln zu können. Wenn wir Kinder respektvoll begegnen, sind wir für sie Vorbild für ihr eigenes Verhalten und fördern Intelligenz und Empathie.

Ein wertschätzender und respektvoller Umgang in der Familie, bildet die wichtigste Grundlage für ein wertschätzendes Miteinander. Kinder wollen wertgeschätzt werden und in ihren Bedürfnissen anerkannt und beachtet werden. So erhalten Kinder die beste Grundlage, um ihre Fähigkeiten im mentalen, sozialen und emotionalen Bereich zu entwickeln.

Unter Friedrich II. wollte man herausfinden, ob Babys, mit denen nicht gesprochen wird und die nur die nötigste Zuwendung (Füttern, Säubern) erhalten, eine eigene Sprache, eine Ursprache, entwickeln würden. Das Ergebnis war, dass die Kinder keine Sprache entwickelt haben, sondern gestorben sind – an mangelnder menschlicher Zuwendung.

Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns

Die Jünger Jesu sind einer Person begegnet, die im Namen Jesu Dämonen austrieb, aber nicht zum Jünger Kreis gehörte. Sie waren empört und sagten zu Jesus:
„Lehrer, wir haben gesehen, wie jemand deinen Namen dazu benutzte, um Dämonen auszutreiben. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern, weil er ja gar nicht mit uns geht.“
„Haltet ihn nicht davon ab!“, erwiderte Jesus. »Wer in meinem Namen Wunder vollbringt, kann nicht gleichzeitig schlecht von mir reden.

Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. (Markus 9:38-40 HfA)

Dieses Verhalten ist doch typisch für die meisten Christen. Nicht aber für Jesus. Er wertschätze die unbekannte Person und ihren Dienst. Wir finden nach dieser Begebenheit keinen Hinweis mehr, zu diesen Unbekannten. Jesus hat keine Untersuchungskommission hingeschickt, um die Rechtmäßigkeit dieses Dienstes zu prüfen.

Für mich ist das ein wichtiger Hinweis, mit positiven Augen das Werk anderer zu betrachten. Diese Haltung gilt für andere Werke, Kirchen, Dienste gleichermaßen wie für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Ganz sicher, ist nicht alles, damals wie heute, gut. Aber auch nicht alles ist falsch.

Wertschätzung heißt, anderen Menschen Respekt und Anerkennung entgegenbringen. Sie zeigt sich nicht allein durch Worte, sondern äußert sich durch ehrliches Interesse, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit am Gegenüber.

Wie gehen wir mit dem Negativen um?

Wie sollen wir angemessen verhalten, wenn negative Dinge unser Leben belasten? Sollen wir Etikettenschwindel betreiben und das Böse als gut kennzeichnen? Nein. Auch hier gibt uns Jesus die richtige Vorlage dazu.  Er verurteilte nicht die Ehebrecherin, sondern ihre Ankläger. Wir dürfen nicht das Böse umetikettieren, um Widerstand zu vermeiden. Wir dürfen das Wölflein nicht so lange füttern, bis es groß genug ist, um uns zu schaden.

Stefan Kuhn (stefan.kuhn@outlook.com)

Quellen:

Zitate Charles M. Schwab

Zusätze Aphorismen Ernst Ferstl, Taschenbuch

Sag uns deine Meinung:

Sag uns deine Meinung:

X