Wie ein junger Adler fliegen lernt und seine Komfortzone verläßt

«Er ging mit ihnen um wie ein Adler, der seine Jungen fliegen lehrt: Der scheucht sie aus dem Nest, begleitet ihren Flug, und wenn sie fallen, ist er da, er breitet seine Schwingen unter ihnen aus und fängt sie auf.»

5.Mose 32,11

Flugunterricht

Man konnte beobachten, dass andere Vögel auf den Schwingen des Adlers mitfliegen.

Der Adlerjunge sitzt schön geborgen im riesigen, gemütlichen Nest seiner Mutter. Pünktlich bringt ihm die Mutter Nahrung. Er genießt von weit oben die wunderbare Aussicht, braucht sich nicht um Nahrung kümmern und ist vor jedem Feind sicher. Komfortzone – Hotel Mama.

Doch auf einmal, macht sich die Adlermutter am Nest zu schaffen. Sie reißt Äste heraus und ein Stück nach dem anderen verschwindet. Es wird zusehends ungemütlicher.

Was ist vorgefallen!?

Anschließend kommt die Mutter zum Adlerjunge und schiebt ihn, zum blanken Entsetzen, zum Nest hinaus. Der Junge ist irritiert, versteht die Mutter nicht mehr und beginnt ängstlich zu piepsen. Unbeeindruckt vom aufgeregten Flattern des Adlerjungen, schiebt die Mutter ihn über den Rand, in die, für ihn endlose Tiefe. Laut piepsend und in Todesangst, breitet der Adlerjunge seine schwachen, flugunerprobten Flügel aus und geht im Sturzflug zu Boden. Er versucht sich zu retten, aber es hilft nichts.

Verzweifelt begreift er, dass er wohl auf einem Felsen zerschellen wird. Bevor der Junge jedoch zerschellt, findet ein Wunder statt: Wie aus dem Nichts, taucht die Mutter unter dem Adlerjungen auf und fängt ihn einige Meter über den Boden auf und begleitet ihn zurück in sein Nest. Sobald sich der Junge einigermaßen erholt hat, beginnt der Flugunterricht von neuem, bis er die Lektion gelernt hat.[i]

Die Apostel bekommen Flugunterricht

Die zwölf Apostel hielten sich noch im Obergemach auf. Dort sollten sie warten auf den Heiligen Geist[ii]. Das Obergemach war einen Steinwurf vom Tempel entfernt, war feudal mit Polstern ausgestattet[iii]. Eine richtige Wohlfühlzone, eine Komfortzone. Diese brauchten sie, bis an den Pfingsttag, als ein Brausen vom Himmel kam und das ganze Haus erfüllte und sich Feuerzungen auf jeden einzelnen im Raum setzten[iv]. Die eben noch verängstigten Apostel verfließen ihr Versteck, gingen in den Tempel und Petrus und die elf predigten ein Evangelium, sodass die Leute irritiert fragten: „Liebe Brüder, was sollen wir jetzt noch tun?“ „Kehrt um“, erwiderte Petrus, „und lasst euch auf den Namen Jesus, dem Messias, auf die Sündenvergebung hin taufen!“ (Apg. 2,37-38)

Es gab im Tempel ein Reingungsbad, ein sogenanntes Mikwe, das die Juden benutzten, bevor sie im Tempel opferten. Dreitausend[v] ließen sich dort, an einem Tag taufen. Die meisten waren wohl Männer. Später kamen Fünftausend dazu. Achttausend Männer. Wenn man Frauen und Kinder mit dazu rechnet, waren es sicher über 20.000 Personen, die in kürzester Zeit zur Gemeinde hinzukamen.

Die Apostel hatten nun die Hände voll zu tun. Sie brauchen fähige geisterfüllte Helfer und man fand Stephanus und sechs andere. Ihnen legten die Apostel die Hände auf und beriefen sie[vi]. Sie waren die besten, die handverlesene Elite und sie unterstützen die Apostel – bis Stephanus von Mitgliedern des Hohen Rates gesteinigt wurde.[vii]

Was für ein Schock ging durch die junge Gemeinde?

Ein junger Mann, namens Saul, der bei der Steinigung die Kleider hielt[viii] verfolgte die Gläubigen und zerstreute sie über ganz Judäa und Samarien[ix].

Aber Moment mal: War denn dies nicht der ursprünglich Auftrag an die Apostel?

„Wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, werdet ihr Kraft empfangen und als meine Zeugen auftreten: in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und bis in den letzten Winkel der Welt.“ (Apg.1,8)

Verlasse deine Komfortzone

Die Apostel haben ihr gepolterte Obergemach verlassen und sind hinunter gegangen, um den Menschen das Evangelium zu bringen. Es geschah wirklich gewaltiges! Die Apostel waren nun eingedeckt mit Arbeit, für die nächsten hundert Jahre und mehr. So vergaßen sie ihren ursprünglichen Auftrag, nach Judäa und nach Samarien weiter zu gehen.

Einer vergaß den Auftrag jedoch nicht, der der sagte:

Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie….“ (Matth.28,19)

Wir haben ein Mandat für Südtirol

Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, wie wir unser Land mit dem Evangelium erreichen wollen.

All das Erreichte können wir nur behalten, wenn wir bereit sind, es weg zugeben!

Wir müssen alle, eine Vision für ganz Südtirol bekommen und unsere gepolsterte Komfortzone verlassen. Wenn wir es freiwillig machen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass uns der Heilige Geist nicht gewaltsam aus dem Nest schmeißen muss, damit wir unsere Flügel ausspannen und fliegen.

 

Fazit

So, wie die Adlermutter seinen Nachwuchs aus dem komfortablen Nest schmeißt, hat der Heilige Geist die Jünger aus dem gepolsterten Obergemach geschmissen. Die Apostel gingen und vollbrachten wahrhafte Wunder (außerhalb der Komfortzone). Sie gingen jedoch nicht weiter. Sie stoppten. Ihr Auftrag war aber für Judäa, Samarien und dem Rest der Welt. Sie beschränkten ihr Wirken auf Jerusalem, bis Stephanus gesteinigt und die Gemeinde durch die Hilfe (?!) von Saulus zerstreut wurde.

Was freiwillig unmöglich war, ging unter Druck wie geschmiert.

„Die zerstreuten Gläubigen aber machten das Evangelium bekannt. Philippus zum Beispiel ging in eine Stadt nach Samarien und predigte, dass Jesus der Messias ist.“ (Apg. 8,4-5)

 

SK


Die tägliche Reinigung vom Adler


Vision mit Adleraugen – sehen wie Gott sieht – handeln wie Gott handelt


„Ich habe euch auf Adlerflügeln getragen“ – sei ein Überwinder!


„Dass du wieder jung wirst wie ein Adler“ – der Erneuerungsprozess eines Adlers


Endnoten und Quellen:

[i] Geboren um zu fliegen, Henk Stoorvogle & Eugene Poppe, S.108-109

[ii] Apg.1,8

[iii] Luk.22,11-12

[iv] Apg.2,1-3

[v] Apg. 2, 41

[vi] Apg. 6,6

[vii] Apg. 54-60

[viii] Apg. 7,60

[ix] Apg. 8,1

 

 

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