Sterben mit Vision – der Adler stirbt, indem er in die Sonne schaut

Das Sterben gehört in unserer modernen Welt zu dem erfolgreichsten, aus dem Bewusstsein der Menschen, verdrängten Phänomen. Dabei gehört das Sterben wie die Geburt, zum Leben eines jeden Menschen. Ja, eines jeden – und damit bist genau du, lieber Leser gemeint!

 

Sterben – aus den Augen aus dem Sinn

Bei Gefahr steckt Vogel Strauß den Kopf in den Sand. Für ihn ist nur real, was er mit seinen eigenen Augen sieht. Den Rest ignoriert er.

Es gibt Menschen, die beharrlich behaupten, dass es kein Leben nach dem physischen Tod gibt. Aber, ein Leben nach dem Tod wird nicht deswegen weniger, weil gewisse Menschen es erfolgreich verdrängen.

 

In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen!

Jesus sagt uns: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?“ Johannes 14,2

Wir können uns jetzt natürlich darüber lustig machen, dass man in den Himmel kommt und dort in einem goldenen Haus zu wohnen wird. Aber das hat Jesus auch nicht gesagt. So haben es vielleicht einige Christen verstanden. Er will sagen, dass es nach dem Ableben ein Weiterleben gibt und vergleicht unsere zukünftige Wohnstätte, mit einer Wohnung, in einem Mehrfamilienhaus. Das ist natürlich ein Bild, mit dem Jesus versucht, geistliche Wahrheiten, in einer für uns Menschen verständlichen Sprache, zu verpacken. Sonst würden wir gar nichts verstehen.

 

Der Adler stirbt, indem er in die Sonne schaut

Der Adler stirbt würdevoll. Er fühlt sein Ende nahen. Er kehrt an jenen Ort zurück, den er als sein Zuhause betrachtet. Dort fokussiert er sich auf die Sonne. Seine letzten Stunden verbringt er mit dem Blick auf die Sonne, um schließlich in Frieden dahinzuscheiden.[i]

Ich kenne Menschen, die wie ein Adler, in die Sonne geschaut haben und gestorben sind. Ihr Gesicht war voller Erwartung und Frieden. Sie sahen sich eintauchen, in eine noch nie gekannte Wonne und Wohlbefinden.

 

Plane dein Ableben

Als meine Mutter mit 87 Jahren im Sterben lag, rief die behandelte Ärztin meine Geschwister und mich und eröffnete uns mit wehmütiger Stimme, dass sie nichts mehr machen können. „Ihre Mutter wird wohl sterben“, sagte sie und erwartete eine heftige Reaktion von unserer Seite. Wir sagten ihr, „unsere Mutter hatte ein langes und erfülltes Leben. Sie hatte das Recht geboren zu werden und nun hat sie das Recht, in Würde zu sterben. Bitte erhalten sie unsere Mutter nicht künstlich am Leben, wenn ihre Zeit zum Sterben gekommen ist.“ Die Ärztin war erstaunt und starrte uns wortlos mit fragenden Augen an.

Es ist ein Unterschied, ob ein Mensch, nach einem erfüllten Leben sterben kann, oder ob er aus dem Leben gerissen, frühzeitig abscheiden muss.

Letzthin rief mich eine ältere Dame an: „Kannst du mich mit deiner Frau besuchen. Ich werde in nächster Zeit sterben und will mein Begräbnis planen.“ Wir gingen zu ihr und sprachen sehr offen, wie sie ihr Begräbnis gestaltet haben will.

 

Der Glaube reicht bis hinter dem Vorhang

Der Hebräerschreiber gebrauchte ein schönes Metapher: Der Glaube ist wie ein Anker, der hinter den Vorhang reicht[ii]. „Hinter dem Vorhang“ bezeichnet eine für uns unsichtbare, verborgene Welt. Wir sehen sie nicht. Im Theater passiert hinter dem Vorhang sehr viel, oft mehr als auf der sichtbaren Bühne. Alles dies bleibt den Zuschauern weitgehend verborgen. So ist auch das Leben nach dem Tod. Nur Jesus kennt es genau und sagt:

„Ich bin die Auferstehung, und ich bin das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt.“ Johannes 11,25

Die Hoffnung der Christen beruft sich auf den lebendigen Gott. Er selber nennt sich der Ewige[iii]. Dieser ewige Gott hat weder Anfang noch Ende des Lebens. Er bricht seine Beziehung nicht ab, nur weil der Mensch stirbt. Aus unserer Sicht ist der Tod eine unüberwindbare Grenze. Aus seiner Sicht, ist es ein Ereignis, ähnlich der Geburt eines Menschen.

 

Hoffnung gibt die Kraft zu glauben, was man nicht sieht

„Wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung.“ (Römer 8,26).

Hoffnung macht stark! Hoffnungslosigkeit macht schwach.

Mit Hoffnung, erwartet man ein Licht am Ende des Tunnels. Die Hoffnungslosigkeit sieht nur schwarz.

Mit Hoffnung im Herzen erwartet man schönes Wetter nach dem Sturm.

Die Hoffnung ist wie der Rettungsring, an dem sich der Ertrinkende klammert.

Hoffnung ist lebensbejahend, es erduldet die Zeit der Ungewissheit, entspannt, lässt die natürlichen Abwehrkräfte zunehmen, mobilisiert unerkannte Heilungskräfte.

 

Hoffnungslosigkeit ist die vorweggenommene Niederlage. (K.Jaspers)

 

Unsere christliche Hoffnung, kann den Graben überwinden, zwischen dem bekannten Diesseits und dem unbekannten Jenseits. Hoffnung ist wie eine Brücke, die unseren Schritt fest und sicher macht. Ja, wir sind auf Hoffnung hin errettet worden, weil noch nicht ist, was einmal sein wird. Echte Hoffnung und falsche Hoffnung sind von Natur aus grundverschieden.

„Ich bin ganz sicher, dass Gott das gute Werk, das er in euch angefangen hat, auch weiterführen und an dem Tag, an dem Jesus Christus wiederkommt, vollenden wird.“ Philipper 1,6

Jesus hat dich vom neuen geboren[iv], du hast eine geistliche Geburt erlebt, du hast ein Leben empfangen, das GÖTTLICH und EWIG ist.

 

Hoffnung hat einen Namen: Jesus Christus!

 

Fazit

Geborenwerden und sterben gehören untrennlich zusammen. Wir alle müssen mal sterben. Es ist sinnlos, wenn wir den physischen Tod verdrängen, er kommt trotzdem. Es ist besser, dass wir dem Tod ins Auge sehen. Der Adler macht es mal wieder vor: Er schaut in die Sonne und stirbt.

Die Hoffnung ist die Brücke, die uns hilft, vom bekannten Diesseits ins unbekannte Jenseits überzuwechseln. Menschen mit so einer Hoffnung freuen sich am Leben und freuen sich am Sterben!

 

Gebet

Danke Herr Jesus, dass du eine Wohnung für mich bereitet hast, dass ich sicher sein kann, dass du mir Leben schenkst und mich zu dir holst, wenn mein Leben, hier auf der Erde, zu Ende ist.[v]

Amen

S. Kuhn

 

Anhang

Was ich zu Lebzeiten organisieren kann

Sie können zu Lebzeiten organisieren, wie sich ihre Verwandten und Bekannten verhalten sollen, wenn Sie keine Entscheidungen mehr treffen können. Damit ersparen sie ihren Angehörigen viel Stress und vielleicht auch so manchen Streit.

 

  1. Verfassen Sie ein Testament, wo Sie zu Lebzeiten bestimmen, wer was erben soll. Wenn Vermögenswerte vererbt werden, ist man gut beraten, einen Fachmann mit juristischem Wissen (Anwalt oder Notar) zurate zu ziehen, der auch nach dem Ableben, das Testament vollstrecken kann. Das Testament kann er bei sich aufbewahren und die Erben zu sich rufen. Machen sie die gesetzlichen Erben namhaft. Für das Verfassen des Testamentes braucht es jedoch nicht zwingend einen Juristen. Wenn sie es selbst schreiben wollen, dann verfassen Sie es handschriftlich, versehen es mit einem Datum und vergessen Sie nicht, es zu unterschreiben. Sie sollten wissen, dass es beim Vererben einen Pflichtanteil der Erben gibt. Sie können in ihrem Testament auch eine Kirche, Gemeinde oder einen gemeinnützigen Verein bedenken.
  2. Verfassen Sie einen persönlichen Lebensrückblick. Es geht dabei weniger um die Eckdaten wann und wo Sie geboren wurden, als vielmehr darum, was man im Leben dankbar erleben durfte. Lassen Sie andere Menschen an ihren Leben teilhaben. Das interessiert sie. Man sollte in diesem Schreiben versöhnt auf das eigene Leben zurückschauen. Dieser Lebenslauf wird während des Abdankungsgottesdienstes vorgelesen und ist gewissenmaßen die letzte abschließende Botschaft an die Angehörigen, Verwandten und Bekannten. Bringen Sie ihre Gedanken selbst zu Papier oder lassen sie sich von jemand helfen. Setzten sie ihre Liebsten in Kenntnis, wo sie den Lebensrückblick und das Testament aufbewahrt haben.
  3. Legen Sie fest, welcher Pastor, Pfarrer oder Person sie in der letzten Lebensphase begleiten soll. Diese Entscheidung wird oft den Angehörigen überlassen, die damit überfordert sind und möglicherweise die falsche Person rufen. Es ist für viele sehr wohltuend, wenn eine Person ihres Vertrauens beim Sterben anwesend ist, für sie betet und segnet und sie in die Arme des Herrn begleitet.
  4. Legen Sie fest, welcher Pastor, Pfarrer oder Person, Kirche oder Gemeinde den Abdankungsgottesdienst für sie gestalten soll. Nicht selten treffen die Angehörigen Entscheidungen entgegen dem Willen des Verstorbenen / der Verstorbenen. Wenn sie jedoch einen Pastor oder Pfarrer zu sich rufen und mit ihm, am besten im Beisein der nächsten Verwandten, regeln was ihr Wunsch ist, wird in der Regel, dem Wunsch des Verstorbenen / der Verstorbenen entsprochen.
  5. Legen Sie fest, ob sie eine Erdbestattung oder eine Kremation wünschen.
  6. Legen Sie fest, an welchem Ort sie begraben, bestattet werden wollen.
  7. Bei uns und in manchen Gegenden werden Kärtchen mit dem Bild des Verstorbenen / der Verstorbenen gedruckt und nach dem Abdankungsgottesdienst verteilt. Es sollte ihnen bewusst sein, dass diese Kärtchen oft lange Zeit aufbewahrt werden. Wenn sie darauf noch eine Botschaft oder einen Gruß, ein Gedicht anbringen wollen, dann bleiben sie damit noch lange im Bewusstsein ihrer Lieben präsent.

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Quellen:

[i] Geboren um zu fliegen, Henk Stoorvogel & Eugéne Poppe, S. 192, 193

[ii] Hebräer 6,11

[iii] 1. Mose 21,33

[iv] Joh 1,13 die nicht aus menschlichem Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind;

 Joh 3,3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen;

Joh 3,4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

Joh 3,5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen;

Joh 3,6 Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist;

Joh 3,7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden;

Joh 3,8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.

[v] Johannes 14,2


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