Ökumene der Herzen

Am Sonntag, den 09.02.14 fand im Raiffeisensaal in Terlan, eine richtungsweisende Versammlung zum Thema „Ökumene der Herzen“ statt. Hier ein Abstrakt des Vortrags:

Jesus betete am Ende seines Dienstes:

„Ich bete, dass sie alle eins sind, und zwar so, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen sie in uns eins sein. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast.“ (Joh.17.21)

Die Ökumene die die Einheit der christlichen Kirchen anstrebt, entstand im 19. Jahrhundert zwischen verschiedene christlichen Organisationen, Missions- und Bibelgesellschaften, christlichen Vereinen und Studentenbewegungen. Sie wollten über nationale und konfessionelle Grenzen hinweg nach Einheit streben[i].

Die Freikirchen in Südtirol haben ein kurzes ökumenisches Leben. Seit ihrer Entstehung in den 70er Jahren, war das Verhältnis zur katholischen Kirche meist konfliktbeladen. Man ging sich aus dem Weg, um Konflikte zu vermeiden. Anfang 2000 fingen dann in Südtirol, erste ökumenische Gespräche zwischen der römisch- katholischen Kirche, den lutherisch- protestantischen Kirchen und den Freikirchen an. In diesen Gesprächen ging es anfänglich noch um Glaubensunterschiede und um die Abstimmung von Funktionen bei gemischten Hochzeiten, Begräbnissen usw.

 

Was versteht man unter Ökumene

Ökumene (griechisch oikoumene bedeutet Erdkreis [ii]) kommt von Oikos. In Altgriechisch ist damit die Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft gemeint. Davon leiten wir das moderne Wort Ökonomie ab.  Die Ökumene ist daher die Wirtschaft eines Volkes. Man spricht auch von der Haushalterschaft Gottes. Damit ist nicht ein einzelnes Haus gemeint, sondern es kann mehrere Häuser, Gebäude, Felder, Sklaven, Familienmitglieder einer bestimmten Familiengemeinschaft beinhalten[iii].

Dieses Bild trifft die Bedeutung und die Aufgabe der Ökumene. Es gibt in der christlichen Familiengemeinschaft eben ganz unterschiedliche Häuser, Menschen und Dienste. Alle jedoch, berufen sich auf den einen Kyrios Jesus; er ist gewissermaßen der Chef des Hauses.

Dazu sagt Paulus den Römern (Kap.10,13): „Denn wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden.“ Wenn wir biblisch korrekt sein wollen, dann müssen wir dieses Kriterium anwenden, wenn es darum geht, wer zur Ökumene dazugehören darf und wer nicht. Katholiken, Orthodoxe, Protestanten und Evangelikale, alle rufen diesen einen Herrn und Kyrios Jesus an. Daher hat niemand das Recht, einem anderen die Zugehörigkeit zur Familie Gottes in Abrede zu stellen[iv].

 

Keine Ökumene ohne Israel

Der Apostel Paulus sagt den Römern, dass die Gemeinde ohne Israel keinen Stamm und keine Wurzeln hat. Er benutzt folgendes Bild: „Wenn aber nun einige von den Zweigen ausgebrochen wurden und du, der du ein wilder Ölzweig (Heidenchrist) warst, in den Ölbaum (Israel) eingepfropft worden bist und teilbekommen hast an der Wurzel und dem Saft des Ölbaums, so rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen, dass nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich“ (Römer 11, 17-18). Wir „Heidenchristen“ sind eingepfropfte Äste in den Baum, der Israel ist. Die Wurzeln dieses Baumes sind die Erzväter Israels und der Stamm ist die Nation Israel. Auch der Messias war „Jude“.

 

Ökumene der Herzen

Wir erleben in den vergangenen Jahren und heute hier in diesem Saal, neben der offiziellen Ökumene noch eine andere wachsende ökumenische Bewegung, die uns in Erstaunen setzt. Wir nennen sie “Ökumene der Herzen”. Hier finden sich Menschen aus verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinschaften zusammen, die Jesus Christus lieben, ihm nachfolgen und gemeinsam dienen wollen. Sie haben die Vision gemeinsam an Seinem Königreich zu arbeiten – aber auch jeder in seiner eigenen Kirche/Gemeinschaft. Wenn Gott auf die Nachfolger von Jesus Christus auf die Erde schaut, dann sieht er keine Kirchen- Mauern, sondern er sieht seine Familie, er sieht Söhne und Töchter die ihn anbeten, Menschen die ihm dienen, die Fehler machen. Wir glauben, dass speziell in der “Ökumene der Herzen”, Gott etwas Neues, Kraftvolles und Wunderbares am wirken ist, das Seinem Herzenswunsch nach gelebter Einheit seiner Kinder nahe kommt.

 

CGS formuliert vier Leitsätze zur Ökumene

Jesus der Weltenherrscher in der Mitte. Johannes der Täufer zur Linken von Jesus und Maria, die Mutter Jesu, zur Rechten . Indem sie sich beide  Jesus zuneigen, kommen sie sich einander näher. (Freske in der Hagia Sophia , Istanbul)

  • Sich Jesus Christus zuneigen[v].
    Wenn wir uns Jesus zuneigen, macht ER uns eins, weil ER in der Mitte ist.
  • Einheit in Vielfalt[vi].
    Verschiedene Kirchen und Gemeinschaften, haben unterschiedliche Aufgaben und Traditionen. Sie verwalten diesen Reichtum wie ein Erbe für andere. Die Einheit der Kirchen, ist nicht die Einebnung von konfessionellen Unterschieden auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Es ist vielmehr die Freisetzung der Berufung einer Kirche oder Gemeinde.
  • In notwendigen Dingen Einheit, in zweifelhaften Dingen Freiheit, in allen Dingen die Liebe.[vii]
  • Einander in Christus vertrauen und auch mal ein Risiko mit unsicherem Ausgang eingehen.

 

Die sieben EINS der Gemeinde/Kirche Jesu

[viii]

  1. EIN Leib,
  2. EIN Geist,
  3. EINE Hoffnung,
  4. EIN Herr
  5. EIN Glaube,
  6. EINE Taufe,
  7. EIN Gott und Vater

 

CGS – Ökumene in der Praxis

  • Ökumenische Gespräche (Runder Tisch, Bibelgespräche…)
  • Gebetswoche für die Einheit der Christen: 2014 ist Christus denn zerteilt
  • Zusammenarbeit mit Xpand und katholischen Referenten
  • Weitere Veranstaltungen

SK


Ökumene der Herzen


[i] http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kumenische_Bewegung

[ii] http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kumenische_Bewegung

[iii][iii] http://de.wikipedia.org/wiki/Oikos

[iv] Dazu spricht Paulus zu den Römern  (Kap. 14, 10-19) folgendes: Du aber, was richtest du deinen Bruder? der du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten; sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereite. Wenn aber dein Bruder wegen deiner Speise betrübt wird, so handelst du nicht mehr nach der Liebe. Bringe nicht durch deine Speise den ins Verderben, für den Christus gestorben ist. Es soll doch nicht verlästert werden, was ihr Gutes habt. Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.

[v] Auf dem teilweise zerstörten Mosaik in der Hagia Sophia, der größten und prächtigsten Kirche des alten Konstantinopel und der heute größten Moschee Istanbuls, sind Johannes der Täufer und Maria zu sehen, wie sie sich beide Jesus zuneigen. Indem sie sich IHM zuneigen, kommen auch sie sich näher.

[vi] Seit 2000 ist das Europamotto der EU: In Vielfalt geeint,
http://europa.eu/about-eu/basic-information/symbols/motto/index_de.htm

[vii] Peter Meiterling 1582-1651, deutsch- lut(herischer Theologe, http://de.wikipedia.org/wiki/Rupertus_Meldenius

[viii] Epheser 4,4

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