Biblische Leiterschaft 1 – Teamleiterschaft

Man würde es nicht vermuten, aber die Urgemeinde praktizierte Teamleiterschaft.

Egal wie wir die Organisation einer Gemeinde gestalten, welche Verantwortungsbereiche wir schaffen und welche Namen wir dafür verwenden, die Briefe des Paulus an Timotheus und Titus geben uns eine Leitlinie zum Dienst in der Gemeinde Jesu. Im Laufe der Zeit ändern sich Namen und Organisationsstrukturen; das biblische Prinzip bleibt jedoch immer dasselbe. Ein solches Prinzip ist, dass die Gemeindeleitung immer im Team arbeitet.

„Gehorcht euren Vorstehern und ordnet euch ihnen unter, denn sie wachen über euch und müssen Rechenschaft darüber ablegen; sie sollen das mit Freude tun können, nicht mit Seufzen, denn das wäre zu eurem Schaden“ Hebr 13,17 EÜ.

Das hier verwendete griechische Wort für „Vorsteher“ ist „hēgoumenois“ und kann mit Leiter, Führer, Vorsteher übersetzt werden. Dies will heißen, dass eine Gemeinde Leiter hat und braucht. Sie müssen Rechenschaft über ihren Dienst bei Gott ablegen. Wie wir aus dem Kontext entnehmen können, kann dieser Dienst zuweilen auch mühselig sein.

„Gebt Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, die Gemeinde Gottes, zu deren Leitern euch der Heilige Geist eingesetzt hat. Sorgt für sie als gute Hirten; Gott hat sie ja durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben“ Apg 20,28 NGÜ.

Als der Apostel Paulus sich von der Gemeinde in Ephesus verabschiedete, ermahnt er die „Hirten“ und „Leiter“ der Gemeinde auf sich Acht zu geben und auf die Gemeinde Gottes. Der Heilige Geist hat sie als Vorsteher eingesetzt.

„Sorgt für die Gemeinde Gottes, die euch anvertraut ist, wie ein Hirte für seine Herde“ 1Petr 5,2 NGÜ.

Die Ältesten (Leiter) einer Gemeinde sind demnach wie Hirten, die sich um das Wohl der Gemeindeglieder kümmern. Die Bibel geht eindeutig davon aus, dass die einzelnen Gemeindeglieder, wie Schafe, Schutz und Fürsorge benötigen.

…. geben Schutz, Fürsorge und Lehre

Der Schutz betrifft zuerst den Schutz vor Irrlehre. Was mit Irrlehre übersetzt wird, heißt im Originaltext einfach „leere Rede“ (keonphonia). „Lieber Timotheus, bewahre das kostbare Gut, das dir anvertraut worden ist, mit aller Sorgfalt! Wende dich entschlossen gegen alles unheilige, leere Geschwätz ´der Irrlehrer`, denn sie stellen Behauptungen auf, die ´dem Evangelium` widersprechen, und geben diese zu Unrecht als die wahre Erkenntnis aus“(1. Tim.6,20). Damals wie heute, haben die Ältesten einer Gemeinde die Aufgabe, gegen das leere Geschwätz mancher Gemeindemitglieder aktiv vorzugehen, denn was sie lehren, wird wie ein Krebsgeschwür das um sich frisst 2Tim 2,17 NGÜ. Krebszellen sind extrem zuckerhungrig. Wenn man den Zucker wegnimmt, werden die Krebszellen in ihrem Wachstum gehemmt, und der Krebs wird ausgehungert. Das leere Geschwätz ist so ein Krebsgeschwür und die an sich banalen Kritikpunkte einer Gemeinschaft sind wie der Zucker, die Nahrung für den Krebs. Wenn die Ältesten (Leiter) einer Gemeinde nicht darüber wachen, wird der Patient Gemeinde, todkrank. Aus diesem Grund, muss ein Ältester über ausreichend Schriftkenntnis verfügen, um den Irrlehrern Parole bieten zu können (Titus 1,5-6).

Die Fürsorge betrifft das geistliche und kulturelle Wachstum der Gemeindemitglieder. Dies mag etwas befremden, dass die Ältesten über die kulturelle Entwicklung einer Gemeinde wachen sollen? Wenn wir die Gemeindespaltungen in unserem Land analysieren würden, würden wir feststellen, dass es fast nie um theologische Auseinandersetzungen ging (auch wenn diese immer vorgeschoben werden), sondern meist um kulturelle Unterschiede, wie der Musikstil, die Art des Gottesdienstablaufes usw.

Dem Hirtendienst (pastorale Leitung) in der Gemeinde liegt das Bild des hebräischen Hirten zugrunde. David ist das beste Beispiel dafür. Sein Dienst war gekennzeichnet von Geborgenheit, Güte, Mut, Fürsorge, Weisheit, harter Arbeit, Leid und Liebe. Das Bild des guten Hirten in Psalm 23 kann durchaus als Vorbild für die geistliche Leiterschaft einer Gemeinde herangezogen werden, auch wenn menschliche Hirten den Anforderungen nie im ganzen Umfang gerecht werden können.

Das Neue Testament lehrt mit besonderem Nachdruck, wie wichtig es ist, das Wort Gottes zu lehren. Paulus ermahnt Timotheus: „Widme dich bis zu meinem Kommen mit ganzer Kraft dem Vorlesen ´der Heiligen Schrift`, dem Ermahnen und Ermutigen der Gläubigen und dem Lehren“ 1Tim4,13. Als einer, der zum Dienst der Gemeinde berufe ist, soll er den drei wichtigsten sich aus diesem Dienst ergebenden Aufgaben besondere Aufmerksamkeit widmen: dem öffentlichen Vorlesen der Schrift, dem darauf gegründeten Ermahnen und dem Lehren[i]. Ein Ältester braucht ein gesundes Glaubensverständnis und die Fähigkeit, das Wissen an Gemeindeglieder weiterzugeben, um sie sicher zu leiten. Dass die Bibel immer von mehreren Ältesten und Dienern in einer lokalen Gemeinde spricht, macht deutlich, dass die Leitung einer Gemeinde im Team erfolgen soll. Die Gruppe der Ältesten leitet die Gemeinde. Und die einzelnen ergänzen sich mit ihren verschiedenen Gaben. Das Modell der Eierlegendenwollmilchsau, des Pastors oder Pfarrers, der sich um alle Belange der Gemeinde kümmert, entbehrt der biblischen Grundlage. Neutestamentliche Gemeinden wurden immer gemeinschaftlich, von mehreren Ältesten geleitet, unterstützt von Dienern oder Diakonen, welche die Ältesten in den meist technischen Aufgaben unterstützten.

Potentielle Leiter haben immer eine natürliche Fähigkeit, andere Menschen zu beeinflussen. Selbst wenn sie gar nicht die Absicht haben, Menschen zu leiten, üben sie automatisch Einfluss aus. Man muss sich nicht lange in einer beliebigen Gruppe von Menschen aufhalten, bis man die Männer und Frauen identifiziert hat, die den Rest der Gruppe beeinflussen. Führung ist im Wesentlichen Einfluss[ii].

Eine Führungskraft in der Gemeinde, ist für die Mitarbeiter verantwortlich. Bei einer gesunden Lehre stimmen nicht nur die Zahlen, sondern es verbessert sich auch die Lebensqualität der Mitarbeiter, sodass sie mehr Gesundheit, mehr Wachstum, mehr Erfolg und mehr Erfüllung erleben, während sie mit ihnen unterwegs sind. Gute Leiter schaffen ein Umfeld, in dem Menschen nicht verletzt und ausgelaugt werden, sondern befähigt, etwas zu werden, was sie nie für möglich gehalten haben, und Dinge erreichen, die sie nie zu erreichen geglaubt hätten. Bei guten Leitern wachst nicht nur die Besucherzahlen, sondern auch die Menschen[iii].

Die Gemeinde Jesu ist die Hoffnung der Welt, und ihre Zukunft liegt in erster Linie in der Hand der Menschen, die sie führen![iv]

 

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Biblische Leiterschaft 2 – Älteste und Diakone

Quellen:

[i] Kommentar zu Bibel, Brockhaus, S.459

[ii] Mutig führen, Bill Hybels, ISBN 3-86591-802-6, S.144

[iii] Die Kunst des Führens, Bill Hybles, ISBN 978-3-86591-857-4, S.12-13 – Zitat von Dr. Henry Cloud

[iv] Mutig führen, Bill Hybles, ISBN 3-86591-802-6, S.29

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