Judas Iskariot, Opfer seiner eigenen Vorstellungen

Wahrscheinlich wollte Judas Jesus helfen. Aber warum hat er Jesus dann verraten? Wahrscheinlich war er von religiösen Erwartungshaltungen geprägt, die Jesus nicht erfüllen wollte. In derselben Gefahr leben wir heute immer noch!

Judas, ein Apostel von Jesus

Wir wissen, dass Judas wahrscheinlich ein Zelote gewesen ist. Sie waren jüdische Fundamentalisten, die auch vor einem religiös motivierten Mord nicht zurückschreckten. Forscher glauben, dass Iskariot eine Form des Titels sicarii ist, was übersetzt „Dolch- Mensch“ heißt. Dies war eine Gruppe von ultraradikalen-Zeloten, die jederzeit ein Messer mit sich trugen, um Verräter zu ermorden. Dass Judas nicht der einzige Zelote in der Gefolgschaft Jesu war, beweist die Aufzählung der Jünger in Lukas 6,15 wo der Apostel Simon, genannt wird mit dem Zusatz, „den man den Zeloten nannte.“ Die Zeloten glaubten, dass, wenn Israel zurück zu Gott finden und einen Krieg gegen die Römer anstiften würde, der Messias kommen würde, um sein Reich aufzubauen. Judas muss begeistert gewesen sein, dass Jesus der Messias, ihn zum Apostel (Botschafter) auserwählt hatte, um das neue Reich zu bauen. Zudem war er der Kassier der Gruppe und konnte sich wahrscheinlich gut vorstellen, der neue Finanzminister zu werden. Jesus wäre dann der neue König und sie würden eine neue Weltordnung schaffen. Es war mehr, als er jemals erhofft hatte.

Das fatale an dieser Vorstellung ist, dass, die Botschaft Jesu eine andere war, die er nicht hören konnte, weil er anders programmiert war. Jesus sagte oft seinen Jüngern, dass er am Kreuz sterben würde. Hat Judas nicht gut zugehört oder wollte er diese Botschaft nicht hören?

Allmählich, nach zweieinhalb Jahren mit Jesus; begann Judas zu hadern. Einmal, in Bethanien, ließ er seinen Unmut über Jesus freien Lauf (Johannes 12: 3-6). Als Jesus ihn daraufhin ermahnte (Markus 14, 6-9), war Judas erzürnt! Gleich darauf, so wird berichtet, ging Judas zu den Hohen Priestern um ihn auszuliefern (Markus 14, 10). Lukas (22: 3-6) berichtet was dann geschah:

Da ergriff der Satan Besitz von Judas, der auch Iskariot genannt wurde und einer der zwölf Jünger war. Judas ging zu den führenden Priestern und den Offizieren der Tempelwache und machte ihnen einen Vorschlag, wie sie Jesus mit seiner Hilfe in ihre Gewalt bringen konnten. Da waren sie erfreut und beschlossen, ihm zur Belohnung Geld zu geben. Judas war einverstanden und suchte von da an nach einer günstigen Gelegenheit, Jesus an sie zu verraten, ohne dass das Volk etwas merkte.

Haben wir Jesus richtig verstanden?

Zugegeben, der Fall Judas Iskariot ist in der Weltgeschichte einzigartig. Trotzdem sollten wir den Zeigefinger zu uns umdrehen und uns fragen, „habe ICH Jesus richtig verstanden ?“ Die Kirchengeschichte ist voller Missverständnisse und nicht nur von den „Bösewichten“, sondern von geistlichen Menschen, die wir hoch schätzen. Wie konnte die Kirche gegen andersgläubige Christen die Todesstrafe verhängen? Wie konnte sie zu einem Kreuzzug aufrufen und sagen: „deo lo vult“ (Gott will es)? Wie konnten unsere Reformatoren Täufer hinrichten lassen oder gegen Juden hetzen?

Wenn wir also heute  Jesus immer noch missverstehen, sind wir mit Judas und Petrus und den Reformatoren in bester Gesellschaft.

Petrus weinte bitterlich

Nicht nur Judas hat Mist gebaut, auch Petrus. Das Ende von Judas war Selbstmord, er ging fort und erhängte sich (Lk.27,5). Er erlebte die Auferstehung Jesu nicht mehr.

Das Ende von Petrus in dieser Episode war Busse: Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich (Lk. 22,62). Zugleich war es für ihn ein Neuanfang mit dem auferstandenen Jesus.

Wir können an diesem Karfreitag von Petrus lernen, weinen und Buße zu tun und neu anfangen. Trage dein Versagen nicht länger mit dir herum. Weinen ist hier Männersache, gestandene Männer, erfolgreiche Männer, Männer wie Petrus, wie DU und ICH.

SK


Jesu Himmelfahrt und Inthronisierung

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