
Klagemauer in Jerusalem
Das Klagelied Jeremias
Es mag in unserem postmodernen Weltbild nicht hineinpassen,
aber der biblische Kontext ist klar: Gott kann hassen und er kann richten und
strafen.
Niemand anders, als Jeremia musste dies am eigenen Leib
erfahren, lebte er doch in einer sehr notvollen Zeit, eine Zeit die er als
Prophet ankündigte und als Mensch durchlitt.
EIN ZORNIGER GOTT
Ach,
wie einsam ist die früher so lebendige Stadt Jerusalem geworden! Nun ist die
Weltstadt wie eine trauernde Witwe. Die frühere Königin der Völker ist zur
Sklavin geworden.
Sie
weint und weint die ganze Nacht, die Tränen laufen ihr übers Gesicht. Keiner
von denen, die sie liebten, ist mehr da, um sie zu trösten. Ihre Freunde haben
sie verraten; sie sind zu ihren Feinden geworden.
Juda
wurde belagert, versklavt und verschleppt.
Alle
Bewohner der Zionsstadt stöhnen, verzweifelt suchen sie nach Nahrung. Sie geben
ihren Schmuck für ein Stück Brot, damit sie sich am Leben erhalten. Laut klagt
die Stadt: »Herr, sieh mich doch an! Sieh doch, wie sehr man mich verachtet!«
Allen,
die vorübergehen, ruft sie zu: »Nichts dergleichen möge euch treffen! Schaut
her, wo gibt es solche Qualen, wie ich sie jetzt erleiden muss? Der Herr hat
sie mir auferlegt am Tag, an dem sein
Zorn mich traf.
Klgl.1,1-12
Gott war zornig, sehr zornig. Er lies es zu, dass Juda und
Jerusalem entvölkert wurden. Die Menschen erlebten schreckliches und schrieben
ihre Not in Klageliedern nieder. Einer dieser Menschen war Jeremia.
Von
oben her schickte er Feuer auf mich, das in mir wütete und mich bezwang. Er
(Gott) spannte sein Netz aus, um mich zu fangen; ich lief hinein und stürzte zu
Boden. Er hat mich völlig zugrunde gerichtet und mich für alle Zukunft krank
gemacht.
Der Herr hat die Nachbarvölker gerufen, um sein Volk
in die Enge zu treiben. Jerusalem ist für sie eine Stadt, auf die sie voller
Abscheu blicken. Klgl.1,13-17
Gibt es hier den
„lieben Gott“ überhaupt noch?
Oder, ist das der böse alttestamentarische Gott?
Wie kann Gott, all dies Leid zulassen?
Wir werden auf viele Fragen, nie wirklich eine befriedigende
Antwort bekommen. Gott setzt sich nicht auf die Anklagebank und lässt sich von
seinen Geschöpfen anklagen!
Wenn Gott Liebe ist, dann kann er auch hassen.
"Doch
eins spricht für euch: Ihr hasst das Treiben
der Nikolaïten genauso wie ich." Offb. 2,6
Und dann, eine Proklamation Jeremias, eine Feststellung:
»Der
Herr ist im Recht, wenn er mich straft; denn ich habe mich seinem Wort
widersetzt. Ihr Völker alle, hört meine Klage! « Klgl.1,18
Warum all dieses Leid? Warum diese Not? Der Prophet hat es
im Vorfeld leidenschaftlich verkündigt und wurde deshalb gehasst und beinahe
getötet. „Ich habe mich seinem Wort widersetzt!“ Wie ergeht es uns bei dem Gedanken,
dass wir selbst und unsere Gesellschaft sich von Gott abgewandt haben? Gott hat
Anspruch auf seine Geschöpfe. Was aber, wenn sie sich ihm widersetzen?
Wir sehen in der Bibel einen Kausalzusammenhang zwischen Gehorsam und Segen und
Ungehorsam und Fluch.
Segen des
Gehorsams
»Wenn ihr auf den
Herrn, euren Gott, hört und alle seine Gebote, die ich euch heute verkünde,
sorgfältig befolgt, wird er euch hoch über alle Völker der Erde erheben. Die ganze Fülle
seines Segens wird euch zuteil werden, wenn ihr den Weisungen des Herrn, eures
Gottes, gehorcht.In der Stadt und
auf dem Feld schenkt er euch Gedeihen:
Gesunde Kinder
gibt er euch und reiche Ernten; eure Rinder, Schafe und Ziegen werden sich
vermehren,
Korb und Backtrog
nicht leer werden. Das Glück wird
euch begleiten, wenn ihr auszieht und wenn ihr wieder heimkehrt. 5. Mose 28,1-6
Fluch des
Ungehorsams
»Wenn ihr aber
nicht auf den Herrn, euren Gott, hört und seine Gebote und Weisungen, die ich
euch heute verkünde, nicht befolgt, wird nicht sein Segen, sondern sein Fluch
über euch kommen: Missgeschick wird
euch verfolgen in der Stadt und auf dem Feld, Korb und Backtrog
werden leer bleiben, eure Kinder
werden dahinsterben und die Äcker Missernten bringen, eure Rinder, Schafe und
Ziegen werden sich nicht vermehren. Unglück wird euch
begleiten, wenn ihr auszieht und wenn ihr wieder heimkehrt. Der Herr wird
einen Fluch auf euer Tun legen; er wird euch so verwirren, dass euch nichts
mehr glücken wird. Weil ihr den Herrn mit euren bösen Taten beleidigt und
euch von ihm abgewandt habt, wird es in kürzester Zeit mit euch zu Ende
sein. Der Herr wird
euch die Pest schicken, er wird euch mit Schwindsucht, Entzündung und Fieber
heimsuchen und eure Ernten durch Dürre und Schädlinge vernichten, bis niemand
mehr von euch übrig ist in dem Land, das ihr jetzt in Besitz nehmen wollt. Der Himmel über
euch wird wie eine bronzene Glocke sein und die Erde unter euren Füßen hart wie
Eisen. Statt Regen
werden Staub und Asche vom Himmel fallen, bis ihr völlig vernichtet seid. Der Herr wird
euch vor euren Feinden zu Boden werfen. Auf einem Weg werdet ihr gegen sie
ausziehen und auf sieben nach allen Richtungen vor ihnen fliehen. Alle Völker
der Erde werden schaudernd sehen, wie es euch ergeht.... 5. Mose 28,15-25.
Ist nicht gerade die Geschichte Israels eine Demonstration
von Segen und Fluch?
Gott wendet das Prinzip von Segen und Fluch immer noch an; im
individuellen persönlichen Leben als auch im korporativen, gesellschaftlichen.
DER WEG ZURÜCK IN DIE
GNADE
Warum war Gott mit dem Volk Israel so zornig. Lassen wir
wieder Jeremia sprechen:
Wenn Glück oder
Unglück über uns kommt,
hat nicht der Höchste es angeordnet?
Mit welchem
Recht beklagt sich der Mensch bei Gott?
Gegen seine Sünde soll er Klage
erheben!
Lasst uns unser Leben überprüfen und wieder
umkehren zu dem Herrn!
Lasst uns die
Hände zum Himmel strecken und Herz und Sinn zum Herrn hinwenden!
Wir haben
gesündigt und dir, Herr, getrotzt und du hast uns die Schuld noch nicht
vergeben. Klgl.3, 38-42
Lasst uns unser Leben überprüfen!
Lasst uns wieder umkehren zu dem Herrn!
Lasst uns die Hände zum Himmel
strecken und beten!
Lasst uns Herz und Sinn (Verstand) zum Herrn hinwenden!
Wir haben gesündigt
und dir, Herr, getrotzt;
und du hast uns die Schuld noch nicht vergeben.
Sehen wir hier den Weg heraus aus
dem Dilemma?
-
Selbstprüfung
-
Umkehr
-
Gebet
-
Begreifen
-
Verstehen
-
Bekennen
-
Vergebung
Diese Schritte führen uns heraus aus
dem Gericht und hinein in Gnade:
Herr, bring uns wieder zurück zu dir,
damit wir uns wieder zu dir hinkehren!
Lass es uns ergehen wie in früheren Zeiten und gib uns neues Leben!
Klgl. 5,21