Pfingsten, die Revolution des Heiligen Geistes

Pfingsten war einst die Revolution eines erstarrten Judentums – dieselbe Revolution brauchen unsere Kirchen heute dringender denn je.

Das Kennzeichen der Gemeinde Jesu heute sollte nicht so sehr das Kreuz sein, sondern vielmehr der Heilige Geist. Diesen haben die Apostel zu Pfingsten erstmals erfahren und wir tun es heute immer noch.

Wenn sich die Gemeinde Jesu heute von der Gemeinde aus der Apostelgeschichte substantiell unterscheiden würde, ist dann dieses Christentum eine andere Religion oder eine Fortsetzung von Pfingsten?

Alles basiert auf Gemeinschaft

Die 120 Jünger im Obersaal am Zionberg, dort wo auch schon das Abendmahl stattfand, hatten eine herzliche Gemeinschaft und sie beteten. Gottes Geist suchte sich nicht den schönen, hohen Sakralbau aus. Der Tempel wäre nur einem Steinwurf weit entfernt gewesen. Nein, er suchte sich Männer und Frauen in christlicher Gemeinschaft und im Gebet aus. Über eine solche Gemeinschaft kam vom Himmel her, ein gewaltiges Brausen wie von einem Sturm[i]. Dieser Sturm war kein leises Säuseln, keine stille andächtige Atmosphäre, sondern ein Sturm der alles Bisherige verändern sollte. Die Jünger wurden aus ihrer Routine geworfen. Ihre Vorstellungen von Reich Gottes wurden zutiefst erschüttert, zerstört und begraben. Eine neue Dynamik erfasste sie. Sie traten vor den Menschen in Jerusalem und predigten mit Vollmacht das Evangelium, wie es vor ihnen nur Jesus tat.

Der Heilige Geist ist nicht wie einst Jesus, abgeschottet von der Öffentlichkeit, in einer Höhle zur Welt gekommen, sondern an Pfingsten, dem Laubhüttenfest der Juden, in aller Öffentlichkeit. Er kam am ersten Tag der Woche, einer Woche voll geschäftigen Treibens. Er kam mit großem Getöse. Er kam zu einem Zeitpunkt, wo mehr Menschen in Jerusalem sich tummelten als gewöhnlich.

Wenn weltlicher Herrscher in der Welt des ersten Jahrhunderts inthronisiert wurden (die Inthronisierung Jesu im Himmel hatte erst stattgefunden), trat diese neue Autorität durch Herolde in Kraft, die durch die Gebiete zogen, mit der Nachricht „Wir haben einen neuen König!“ Das wurde immer als gute Nachricht verkündet[ii]. Genau das taten die Apostel. Sie waren die Herolde des neuen Königs, der im Himmel den Thron bestiegen hatte. Sie konnten nicht still zu Hause sitzen. Sie mussten dieses Evangelium verkünden.

Die Apostelgeschichte ist eine Geistesgeschichte

Die Apostelgeschichte ist nicht ein Geschichtsbuch das nur von historischen Fakten berichtet. Die Apostelgeschichte berichtet uns, wie das christliche Zeitalter begann und wie es sich gestaltete. Wir lesen, wie die Jünger das gewaltige Potenzial, des an Pfingsten ausgegossenen Geistes entdeckten. Sie hielten es für unmöglich, zu welchen Taten der Heilige Geist durch sie in der Lage war. Jesus hatte ihnen gesagt: „Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater[iii]. Niemand hatte zuvor das getan, was Jesus getan hatte. Aber als an Pfingsten diese galiläischen Fischer ihre „Segel“ in den Heiligen Geist setzten, taten sie, was vor ihnen niemand getan hatte: Sie predigten zu Menschenmassen, führten sie zur Buße, öffneten blinde Augen und taube Ohren und trieben Dämonen aus[iv]. Das waren good news – das war Evangelium. Das war der Beginn einer neuen Königsherrschaft, einer neuen Zeitrechnung.

Die meisten Leute wissen nicht, wie sich Gott verhält oder was sich in seinem Herzen für jeden von uns befindet. Deine und meine Berufung als Gläubiger kann zu groß sein, um sie völlig zu verstehen. Dennoch ist die biblische Anweisung klar: Es ist unsere Aufgabe, zu demonstrieren, dass die Realität, die im Himmel existiert, hier und jetzt sichtbar gemacht werden kann. Wir sind nicht nur Menschen, die die richtigen Dinge über Gott glauben, sondern Menschen, die den Willen Gottes sichtbar machen, ihn wiedergeben, greifbar machen. Heilung, Befreiung und Wiederherstellung bewirken viel mehr als nur eine Predigt mit guten Argumenten; sie geben Menschen eine greifbare Demonstration Gottes[v].

Die Geistesgeschichte geht heute weiter – bist du dabei?

Die Apostelgeschichte ist bis heute nicht fertig geschrieben. Der Heilige Geist, der damals anfing zu wirken, wirkt heut immer noch und er wirkt immer noch gleich. Seine Dynamik hat sich im Laufe von 2 Jahrtausenden nicht verbraucht. Die Apostel besaßen keine übernatürlichen Kräfte. Sie besaßen den Heiligen Geist, denselben wie wir heute. Es liegt nun an uns, den Geist wirken zu lassen, wie er an Pfingsten wirkte, um das zu tun, was er will und nicht das was wir uns vorstellen. Dabei ist es nicht ausreichend allein das geschriebene Logos zu lesen, so wie eine Gebrauchsanleitung. Wir leben heute in einer völlig anderen Gesellschaft, mit anderen Denkweisen und anderen Herausforderungen. Wir brauchen deshalb das Rema Gottes, Gottes gegenwärtiges Sprechen in die Zeit und in die Situation hinein. Wir lesen in der Apostelgeschichte, dass der Heilige Geist zu Pfingsten kam, aber sie nachher, immer wieder mit Heiligen Geist erfüllt wurden.

Warum das?

Hatten sie den Heiligen Geist nicht schon empfangen?

Ja, aber eine geänderte Situation verlangt andere Strategien des Geistes. Zuerst traf sich die Gemeinde täglich zum Gebet im Tempel[vi]. Dann wurden die Apostel verhaftet und verfolgt und sie trafen sich weiter in den Häusern[vii]. Unter Paulus das gleiche Bild. Zuerst trafen sie sich in den Synagogen[viii] und als das nicht mehr möglich war, verlagerte sich das Gemeindeleben in die Häuser[ix]. Auch wenn der Bericht des Lukas in Rom endet, geht die Apostelgeschichte weiter. Als in Rom das Gemeindeleben in den Häusern nicht mehr möglich war, verlagerten sie ihre Versammlungen in die Katakomben usw. Ich will damit nur sagen, der Heilige Geist will uns in unsere spezielle Situation hinein, das Rema Gottes geben, sein Sprechen in die Situation, in die Zeit, in die Umstände hinein, in denen wir uns befinden. Deshalb sollten wir nicht am Tempel, noch an den Häusern noch an den Katakomben festhalten, sondern uns immer weiter entwickeln, so wie der Geist uns leitet.

Weltweit beobachten wir, ein stärkeres Wirken des Geistes. Wenn vor Jahren Heilungen und das übernatürliche Eingreifen Gottes rar waren, so beobachten wir nun eine starke Zunahme, und dies nicht nur in Südamerika oder Indien oder China, sondern auch bei uns. Um zu verstehen was da geistlich abläuft, um nicht selbst auf der Zuschauen Bühne zu stehen um zu kritisieren, was man nicht versteht, muss der Heilige Geist uns neu erfüllen: und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut (Apg.13,52).

Bill Johnson fragte einmal: »Bist du nicht müde, von einem Evangelium der Kraft zu reden, ohne eine Demonstration davon zu sehen?«[x]


Pfingsten: wie die Kirche ihre Sprache wieder fand

 

Quellen

[i] Apostelgeschichte 2,2

[ii] Apostelgeschichte für heute, Band 1, N.T. Wright, S.25

[iii] Johannes 14,12

[iv] Reinhard Bonnke: Operation Pfingsten

[v] Neues Denken neue Vollmacht, Bill Johnson, S. 34

[vi] Apostelgeschichte 3,1

[vii] Apostelgeschichte  5,42

[viii] Apostelgeschichte 14,1, 17,1

[ix] Apostelgeschichte 20,20

[x] Jack R. Taylor, Neues Denken neue Vollmacht, S. 24

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