Das Stephanus Syndrom – warum Christen meistens warten und nicht gehen


 Wir sollen nicht die Menschen einladen zu uns zu KOMMEN, wir sollen zu ihnen GEHEN. Der Missionsbefehl Jesu lautet nicht KOMMT, sondern GEHT.

Ying Kai

Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Mt.28,19-20

„Macht zu Jüngern alle Völker“

Der Auftrag Jesu war sonnenklar: machet zu Jüngern alle Völker, aber die Jünger bzw. die Apostel hatten große Anlaufschwierigkeiten, diesen Auftrag auszuführen. Dabei waren Jesu Worte und sein Auftrag unmissverständlich. Jesus sagt hier nicht wie ich euch empfohlen haben“ sondern „wie ich euch befohlen haben“. Deshalb nennen wir diese Worte auch „Missionsbefehl“. Es gibt keine Alternative. Der „Missionsbefehl“ galt allen Menschen, bis ans Ende der Erde.

Doch die Apostel, allen voran Petrus, machten keinen Anstand, um zu den Heiden zu gehen. Nachdem sich 3000 und dann sogar 5000 Personen, vor allem Juden bekehrten, hatten die Apostel mit der jungen Gemeinde in Jerusalem alle Hände voll zu tun. Da man zu jener Zeit nur die erwachsenen Männer zählte, kann man locker davon ausgehen, dass die Gemeinde in Jerusalem ca. 15.000 Mitglieder hatte, und was dies bedeutet, wissen wir. Und so blieben sie in Jerusalem und der Missionsbefehl geriet in Vergessenheit.

In Vergessenheit? – nicht bei Jesus. Er hatte einen weltweiten Plan. Er hatte andere Grenzen als die Apostel.

Wie oft hat sich eine ähnliche Situation im Laufe der Kirchengeschichte wiederholt? Wie oft lassen wir uns in unseren Dienst für das Reich Gottes von den „Notwendigkeiten“ bestimmen und nicht vom biblische Auftrag?

Die Apostel taten, was wir auch tun würden. Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen.[1] Gab es für die Versammlungen im Tempel ein Mandat von Jesus? Wurde nicht gerade Jesus deshalb verurteilt weil, er sagte, „wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.“[2] Warum versammelten die Apostel die Gemeinde täglich im Tempel, wo beständig Tiere geopfert wurden? Hatte Jesus die Praxis der Tieropfer nicht etwa erfüllt? Waren die Worte Jesu verhallt? Hat man sie vergessen?

Ich will die Apostel keinesfalls unter Anklage stellen, denn ich würde vermutlich genau dasselbe tun. Deshalb sollten wir aus dieser Begebenheit Mut schöpfen, um das zu tun, was Jesus tun würde. „What would Jesus do“ sollte nicht nur auf dem Armband stehen, sondern in unserem Herzen!

Die Verfolgung befreit die Missionare aus dem Gefängnis der Traditionen

Es erhob sich aber an diesem Tag eine große Verfolgung über die Gemeinde in Jerusalem; da zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samarien, außer den Aposteln.[3]

Wie lautete noch der Missionsbefehl Jesus: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker.“ Die Samariter waren die ersten. Die Samariter galten als Unreine und Abtrünnige, weil sie ein Mischvolk von Heiden und Hebräern waren.[4] Wenn die Galiläer nach Jerusalem pilgerten, machten sie einen Umweg um nicht durch Samarien zu reisen, um nicht von diesem unreinen Volk befleckt zu werden. Nur Jesus folgte dieser Tradition nicht und reiste demonstrativ durch Samarien und traf die Frau am Jakobsbrunnen.[5] Später sagte er seinen Jüngern, ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.[6] In Jerusalem und Judäa war das Evangelium bereits angekommen, für Samarien war jedoch keine Kraft und keine Vision mehr vorhanden, so nach dem Motto, „wenn Gott will, wird Er schon tun.“ Und Er tat, nur nicht so, wie es die Apostel sich vorgestellt hatten.

  • Petrus und Johannes kamen vor den Hohen Rat. Ihnen wurde befohlen niemals wieder im Namen Jesu zu predigen und zu lehren (Apg.4,18). Ab jetzt waren die Versammlungen im Tempel nur eingeschränkt möglich. Die Apostel versammelten die Gemeinde mehr und mehr in den Häusern.[7]
  • Jakobus, der Älteste der Gemeinde in Jerusalem und Bruder Jesu, wurde geköpft. (Apg 12,2)
  • Stephanus, ein sehr begabter und gesegneter Diakon, der Zeichen und Wunder vollbrachte (Apg.6,8), wurde unter falscher Anklage verhaftet und hingerichtet (Apg.7,59).

An jenem Tag brach eine schwere Verfolgung über die Kirche in Jerusalem herein. Alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samarien zerstreut, mit Ausnahme der Apostel.[8]

Ob wir es wahr haben wollen oder nicht, jetzt erfüllten sich Jesu Worte, „ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“[9].

Die Vertriebenen zogen umher und verkündigten das Evangelium

Bemerkenswert ist, dass die Verfolgung größte Freimütigkeit unter Christi Anhängern schuf[10]. Sie zogen umher und verkündigten das Evangelium[11]. Philippus, der mit Stephanus Diakon in Jerusalem war, zog in die Hauptstadt Samariens, und die Volksmenge achtete einmütig auf das, was Philippus sagte, als sie zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat[12]. Auf der Straße von Jerusalem nach Gaza, begegnete ihm dann ein Äthiopier, ein Kämmerer und Gewaltiger der Kandake, der Königin der Äthiopier, welcher über ihren ganzen Schatz gesetzt war; dieser war gekommen, um in Jerusalem anzubeten, und nun kehrte er zurück und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja[13]. Dem verkündigte Philippus die Frohe Botschaft, er bekehrte sich, wurde sogleich getauft und brachte das Evangelium nach Äthiopien[14]. Somit wurde der neu bekehrte Kämmerer zum ersten Missionar, der das Evangelium ans Ende der damaligen Welt brachte.

Iro- schottische Mission in Europa

Eine ähnliche, erstaunliche, missionarische Entwicklung ging von Schottland, im 9. Jahrhundert, aus. Dort fanden sich tausende von Mönchen in Klöstern, die einen eigenen Frömmigkeit Stil entwickelten. Im Zentrum dieser Bewegung stand Columban und das Kloster in Jona, gebaut auf einer kleinen nackten Insel in Schottland. Ab dem 8. Jahrhundert, fand die kriegerische Expansion der Wikinger in Irland und Schottland statt. Auf ihren Feldzügen zerstörten sie die Klöster, darunter auch Jona, plünderten ihre kulturellen Schätze und brachten die Mönche um. Die überlebenden Mönche zogen dann durch ganz Europa und missionierten die ungläubige Bevölkerung von Norditalien bis nach Skandinavien. In dieser Zeit entstanden eine Reihe von wichtigen geistlichen Zentren, wie z.B das Kloster in St. Gallen[15]. Auch in Südtirol finden wir Spuren der keltischen Missionare, die die St. Prokoluskirche in Naturns bemalten[16]. Auch hier dasselbe Bild: Die weltweite Mission begann nach der Zerstörung des geistlichen Zentrums.

Das Stephanus Syndrom heute

Die Kirche erleidet heute wieder eine sehr starke Welle der Verfolgung. Man schätzt, dass es seit Pfingsten 70 Millionen christliche Märtyrer gab, davon 65 Prozent im 20. Jahrhundert[17]. Mit anderen Worten, ist die Christenverfolgung heute so stark, wie noch nie zuvor. Die Kirchen kommen sich dabei näher, denn es werden keine Katholiken oder Kopten verfolgt, sondern immer Christen. Die Verfolgung hat keine Denomination. Alle Christen werden nur um des Namens JESU willen verfolgt[18].

Diese Verfolgung wird in die weltweit größte Erweckung münden. Die Anfänge sind schon da. Nun, sind wir jedoch gefragt, unser Jerusalem, unsere Klöster, unsere Kirchenmauern und was es sonst noch gibt zu verlassen, um das Evangelium allen Völkern zu bringen! Wir müssen uns rückbesinnen auf den „Missionsbefehl“. Wir müssen uns Gedanken machen, ob die Strukturen in denen wir leben, die Weltmission fördern oder ersticken?

SK

[1]Apg 2,46

[2] Mt 24,2

[3] Apg 8,1-2

[4] Die Gründe dafür lagen mehrere hundert Jahre zurück. Im Jahr 722 v. Chr. wurde Israel von Assyrien erobert und die Angehörigen der begüterten Oberschicht deportiert. Dafür wurden Völker aus dem Osten dort angesiedelt, die sich mit der Zeit mit den ursprünglichen Bewohnern Samarias vermischten. Das daraus entstandene Mischvolk wurde als Samariter bezeichnet. http://www.amzi.org/html/samaritaner.html

[5] Joh 4,4

[6] Apg 1,8

[7] Apg 5,42 Die Hausversammlungen waren das Gebot der Stunde. Sie sind aus der Not heraus geboren. Dies wiederholte sich bis heute immer wieder, überall dort, wo die Geiende verfolgt wurde und wird.

[8] Apg 8,1

[9] Apg 1,8

[10] Apg 8,4

[11] Stampf Studien Bibel Apg.8,1

[12] Apg 8,6

[13] Apg 8,27

[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Eunuch_der_Kandake Mit Sicherheit gab es in Äthiopien zu dieser Zeit auch viele Juden, wahrscheinlich in einer anderen Weise als die Juden in Palästina. Die heutigen äthiopischen Christen der orthodoxe Tewahedo-Kirche glauben alle fest, dass ihre Vorfahren seit Salomo und der Königin von Saba jüdisch glaubten und Junden waren, ehe sie Christen wurden.

[15] http://universal_lexikon.deacademic.com/254505/iroschottische_Missionare%3A_K%C3%BCnder_des_Glaubens_und_Wegbereiter_der_Wissenschaften

[16] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Prokulus_(Naturns); http://www.naturns.it/prokulus/das-museum/
[17] http://www.livenet.de/news/international/105165-70_millionen_christliche_maertyrer_in_der_geschichte_65_prozent_davon_im_20_jahrhundert.html

[18] Apg 9,4

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