Beruf und Berufung

Was motiviert Dich in der Früh aufzustehen und arbeiten zu gehen? Freust du dich arbeiten zu dürfen?

Arbeiten ist Gottesdienst!

Gott ist ein ‚Arbeiter’, ein ‚Schöpfer’. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde (1. Mose 1,1). Und es war nie Gottes Plan (auch nicht vor dem Sündenfall!), dass wir Menschen gemütlich im Garten Eden bleiben, die Früchte gratis genießen, Sonne liegen, nahtlos braun werden, wenn wir zu heiß bekommen in den Swimming-Pool springen und warten bis uns Gott am Abend persönlich besuchen kommt.

Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, „damit er ihn bearbeite (avad) und hüte“ (1. Mo 2,15). Weisst du, was das häbräische Wort für ‚arbeiten’ avad bedeuted? Es hat eine dreifache Bedeutung: dienen, arbeiten und sogar anbeten! Da bekommt der langweilige Vers „Der Mensch geht hinaus an sein Tagwerk, an seine Arbeit bis zum Abend.“ (Psalm 104,24) gleich eine ganz andere Bedeutung. Arbeiten ist Gottesdienst! Arbeiten ist Anbetung!

Arbeit – Berufung von Gott!

Gottes Plan war bereits vor dem Sündenfall, durch uns Menschen sein Königreich im Himmel auf der Erde auszubreiten. „Gott segnete sie (Adam und Eva) und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen (1. Mose 1,28). Er hat uns Menschen lange bevor der ‚Missionsauftrag’ notwendig wurde, bereits einen ‚Kulturauftrag’ und damit ein Mandat für die Bereiche Arbeit/Wirtschaft, Ehe/Familie, Gesellschaft und Politik gegeben.

Durch den Sündenfall ist die Sache komplizierter geworden. Zumindest für uns! Jesus, der Sohn Gottes ist die Lösung für den Sündenfall, aber an Gottes Kulturauftrag hat sich nichts geändert und das ‚Seelenheil’ der Menschen ist nur ein Teil vom Auftrag, den Gott uns gegeben hat.

Wir sind nicht von dieser Welt, aber wir sind nicht aus der Welt genommen (Johannes 17, 13-15). Es ist nicht unsere Berufung, uns aus der bösen Welt in eine christliche Seifenblase (‚bubble’) zurückziehen. Du und ich sollen Salz der Erde und das Licht der Welt (Matthäus 5,13) sein. Wie? Durch unseren Beruf in der Wirtschaft, in der Politik, im Gesundheits- und Sozialwesen, im Bildungswesen, im Bereich Kunst/Kultur. Wir sind nämlich von Gott „…durch Jesus Christus berufen (vgl. Epheser 4,1), auch in unserem Beruf Himmel auf Erden freizusetzen.

 

6 Prinzipien um Himmel auf Erden im Beruf freizusetzen!

Am Beispiel von Josef (1. Mose, 37-50) entdecken wir u.a. sechs Prinzipien , die uns helfen können, unsere Berufung „Himmel auf Erden freizusetzen“ in unserem Beruf zu leben bzw. zu finden.

1. Gott hat eine VISION für mich!

Einst hatte Josef einen Traum. Als er ihn seinen Brüdern erzählte, hassten sie ihn noch mehr. Er sagte zu ihnen: […] Meine Garbe richtete sich auf und blieb auch stehen. Eure Garben umringten sie und neigten sich tief vor meiner Garbe. […] Und sie hassten ihn noch mehr wegen seiner Träume und seiner Worte. Er hatte noch einen anderen Traum. Er erzählte ihn seinen Brüdern und sagte: Ich träumte noch einmal: Die Sonne, der Mond und elf Sterne verneigten sich tief vor mir. […] Seine Brüder waren eifersüchtig auf ihn, sein Vater aber vergaß die Sache nicht. (1.Mose 37,5-11).

Ohne Vision (prophetische Offenbarung) verwildern wir (Sprüche 29,18). Eine Vision gibt unserem Leben Sinn, gibt Richtung, inspiriert und spornt uns  an. Gott hat einen Plan für die Welt, die Wiederherstellung des Paradies. In seinem Plan hat er eine Vision für jeden von uns. In Gottes Plan für die Welt liegt unsere Berufung und dort finden wir unsere Vision für unseren Beruf!

  • Ich bin von Gott berufen und er hat eine Vision (einen grossen ‚Traum’) für mein Leben und meinen Beruf. Gott wird die Vision bestätigen.
  • Wegen Gottes Vision für mein Leben / meinen Beruf kann es sein, dass andere Menschen (vielleicht sogar meine eigene Familie) eifersüchtig auf mich sind oder mich vielleicht hassen.

 

2. Ich umarme meine VERGANGENHEIT!

Josef vermochte sich vor all den Leuten, die um ihn standen, nicht mehr zu halten und rief: Schafft mir alle Leute hinaus! So stand niemand bei Josef, als er sich seinen Brüdern zu erkennen gab. Er begann so laut zu weinen, dass es die Ägypter hörten; […] Josef sagte zu seinen Brüdern: Kommt doch näher zu mir her! […] Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Jetzt aber lasst es euch nicht mehr leid sein und grämt euch nicht, weil ich mich hierher verkauft habt. Denn um Leben zu erhalten, hat mich Gott vor euch hergeschickt. (1.Mose, 45,4-5)

Jeder Mensch wird von etwas (an)getrieben. Wenn es nicht Gottes Plan und seine Vision sind, die uns in unserem Beruf anspornen und motivieren, dann sind es unsere Vergangenheit (unsere Ängste, Enttäuschungen, Unversöhnheiten) oder andere Menschen, die eine Vision und eine Berufung für uns finden (ob wir wollen oder nicht!). Wir haben aber keinen ‚Geist der Knechtschaft’ mehr, sondern einen ‚Geist der Sohnschaft’ (vgl. Römer 8,15). Ob und wie wir in unserem Beruf Himmel auf Erden freisetzen, hängt davon ab, ob unsere Berufung von Gott oder unserer Vergangenheit bestimmt wird.

  • Ich muß meine Vergangenheit umarmen, damit ich die Gegenwart genießen und die Arme nach der Zukunft ausstrecken kann.

 

3. Ich entdecke meine TALENTE!

So fand Josef sein Wohlwollen und er durfte ihn (Potifar) bedienen. Er bestellte ihn zum Verwalter seines Hauses und vertraute ihm alles an, was er besaß. […] Er (Potifar) ließ seinen ganzen Besitz in Josefs Hand und kümmerte sich, wenn Josef da war, um nichts als nur um sein Essen. (1.Mose 39, 4-6)

Es liegt in deiner eigenen Verantwortung deine von Gott gegebenen Talente zu entdecken und einzusetzen (vgl. Matthäus 25,14)! Josef hatte Träume (1.Mose 37,5-11) und konnte Träume deuten (1.Mose 40,12-13; 1.Mose 41,25-36). So wie Jakob, sein Vater, ein Nachkomme Abrahams hatte er eine prophetische Begabung (1.Mose 28, 10-22).

Aber Josef’s Berufung bestand nicht darin Träume zu deuten. Das ging ihm wahrscheinlich einfach von der Hand. Seine wahre Berufung lag im Verwalten von Besitz/Vermögen. Er hatte kein abgeschlossenes BWL-Studium. Ein 17-jähriger ‚Hirtenjunge’ (1.Mose 37,2) wird mit 30 Jahren die Nr. 2 im damals größten Reich! Bei Gott ist nichts unmöglich (Lukas 18,27)!

  • Ich entdecke die Talente für meinen Beruf in meiner Familie.
  • Das Talent für meine BERUFUNG ist vielleicht nicht etwas, das mir einfach von der Hand geht (Träume deuten), sondern was mir vielleicht schwerer fällt, wo ich mit meinen Schwächen, Unzulänglichkeiten und Ängsten konfrontiert werde (Besitz/Vermögen verwalten) und mich völlig von Gott abhängig machen muss.

 

4. Ich wachse und reife im DIENST!

Er(Potifar) ist in diesem Haus nicht größer als ich und er hat mir nichts vorenthalten als nur dich, denn du bist seine Frau. Wie könnte ich da ein so großes Unrecht begehen und gegen Gott sündigen?(1.Mose 39,9)

Am Beispiel von Josef sehen wir, dass Arbeiten bedeutet, sich anderen Menschen und Gott unterzuordnen. Es geht nicht um Selbstverwirklichung, sondern um Selbstaufgabe (Johannes 10,11). Es geht nicht um Selbstoptimierung, sondern um echte Nachfolge (Lukas 9,23).

  • Ich wachse und reife als Nummer 2.

 

Der Gefängnisleiter vertraute der Hand Josefs alle Gefangenen im Kerker an. Alles, was dort zu besorgen war, musste er tun. (1. Mose 39,22)

Spürst du auch manchmal, dass da mehr auf dich wartet und dass du zu mehr berufen bist? Dann diene in deinem Beruf anderen Menschen und Gott mit den Talenten, die Gott dir gegeben hat, auch im Gefängnis (1.Mose 39,22). Wenn du eine Abkürzung an den Hof des Pharaos findest, wirst du nicht die Identität und den Charakter haben, um dort zu bestehen und in deiner Berufung zu leben.

  • Nur im Dienen erkenne ich, dass es nicht um mich geht.

 

5. Gottes SEGEN ruht auf mir!

Dieser sah, dass der Herr mit Josef war und dass der Herr alles, was er unternahm, unter seinen Händen gelingen ließ. […] …und der Herr segnete das Haus des Ägypters um Josefs willen. (1.Mose 39,3-5)

Der Segen Gottes ruht auf dir, weil Gott andere Menschen (deine Mitarbeiter, deine Vorgesetzten, deinen Chef) durch dich segnen will. Egal ob du in der Grube, im Gefängnis oder am Hof des Pharaos bist und arbeitest. Du bist nie ein Opfer der Umstände. Gott ist gut und er liebt dich. Er ist immer aund überall bei dir und er segnet und behütet dich, besonders dann wenn er dich befördert!

  • Gott segnet mich, damit ich zum Segen für andere werde.

 

6. Ich gebe ZEUGNIS für Gott!

Josef antwortete dem Pharao: Nicht ich, sondern Gott wird zum Wohl des Pharaos eine Antwort geben. […] Der Pharao sagte zu ihnen: Finden wir einen Mann wie diesen hier, einen, in dem der Geist Gottes wohnt? Dann sagte der Pharao zu Josef: Nachdem dich Gott all das hat wissen lassen, gibt es niemand, der so klug und weise wäre wie du. (1.Mose 41,16-39)

Gott freut sich, wenn wir ihn mit unserer Arbeit anbeten! Du ehrst ihn, wenn du dich öffentlich zu Gott bekennst und ihm für deine guten Taten die Ehre gibst. Dann werden „die Menschen (ihn erkennen und) ihn für deine guten Taten preisen“ (Matthäus 5,16).

  • Ich gebe in meinem Beruf Zeugnis für Gott.

 

Stell dir kurz vor, wenn DU und ICH nach diesen Prinzipien arbeiten würden? Was würde mit uns und in unseren Unternehmen, unseren Schulen/Universitäten, Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen, etc. passieren? HIMMEL AUF ERDEN!

 

6 Fragen für meine Berufung:

1. Welche Vision hat Gott mir gegeben? Wovon träum(t)e ich?

2. Wo brauche ich Versöhnung mit meiner Vergangenheit?

3. Welche Talente/Gaben hat Gott mir gegeben? Was fällt mir leicht, was schwer?

4. Wem diene ich? Menschen, Gott oder mir selbst?

5. Wann vergesse ich, dass Gott bei mir ist und sein Segen auf mir ruht?

6. Wie gebe ich (öffentlich) Zeugnis für Gott?

 

Dietmar Ausserhofer, 13.08.18

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